Car-System in Spur N: Straßenverkehr in Kirchhorsten
Was beim Car-System auf der H0-Anlage möglich war, sollte doch auch in Spur N gehen – sagten sich einige Unentwegte und erweiterten einen Schenkel der N-Anlage um eine Straße. Seitdem gibt es im Stadtteil Kirchhorsten neben der Straßenbahn auch Bus- und Lkw-Verkehr, inklusive eines kleinen Bus-Schattenbahnhofs.

Von der Idee zum System
Auf rund 3,50 × 1,80 m verläuft in Kirchhorsten eine Fahrstrecke von 26 Metern – umgerechnet im Maßstab 1:160 über vier Kilometer. Dazu kommen eine Ampelkreuzung, zwei Straßenbahnquerungen, Parkbuchten und zwei mal zwei Abstellplätze im Bus-Schattenbahnhof. Bei der ersten Querung der Straßenbahn gab es noch keine Stoppfunktion – prompt ereignete sich beim ersten Schautag ein „spektakulärer Unfall“, der mit lautem Gelächter quittiert wurde. Seitdem regeln eigene Vorrangschaltungen den Verkehr.
Den Durchbruch brachte ein Besuch der Intermodellbau 2007: Dort wurden erstmals infrarotgesteuerte N-Fahrzeuge vorgestellt, die sich gegenseitig auf Abstand halten und deren Blinker, Licht und Geschwindigkeit sich per Infrarot schalten lassen. Unser Konzept haben wir daraufhin komplett überarbeitet.
Warum nicht einfach Stoppstellen?
Das Car-System basiert auf einer Entwicklung von Faller. Mit den Standardeigenschaften für Spur N wollten wir uns aber nicht zufriedengeben: Die Fahrzeuge halten an einer Stoppstelle abrupt an, weil der Motorstrom einfach unterbrochen wird, und fahren genauso ruckartig wieder an. Die Stoppspulen in der Fahrbahn stehen an einer roten Ampel dauerhaft unter Strom und werden warm. Und für jedes weitere wartende Fahrzeug bräuchte man eine eigene Stoppstelle – an einer Kreuzung gleich viermal. Wir steuern die Fahrzeuge deshalb über Infrarotbefehle.
Die Fahrzeuge folgen einem Magnetband in der Fahrbahn, an dem sich der Führungsmagnet unter der Vorderachse ausrichtet. Weil der Kontakt in Spur N leicht abreißt, verwenden wir ein 3 × 1 mm breites Magnetband mit besserer Haftung.
Der Fahrbahnaufbau
Die Anlage ist in Rahmenbauweise gebaut. Auf senkrechten Stützbrettern liegen die Straßentrassen aus Sperrholz oder Spanplatte, darauf eine 3 mm starke MDF-Platte. In sie fräsen wir eine 1 mm tiefe, 3 mm breite Rille für das Magnetband. Alternativ haben wir 1 mm starke Pappe aufgeklebt und die Nut mit dem Messer herausgeschnitten. Wichtig: Das Magnetband muss mit der richtigen Seite nach oben liegen – sonst stößt es den Führungsmagneten ab und die Fahrzeuge verlassen die Spur.
Für Kreuzungen und Abzweigungen verwenden wir vorgefräste Grundplatten von Streetsystem, in denen die Magnetbänder optimal gekreuzt und die Bohrungen für die Car-Weichen schon vorhanden sind. Über das Ganze kommt eine dünne, beidseitig grundierte Folie (35 µm), die mit Ponal aufgeklebt und mit grauer Straßenfarbe von Faller gerollt wird. Über den Weichen lassen wir die Farbe zunächst weg – so sieht man besser, wie sich die Weiche verhält, denn eine Feinjustierung ist fast immer nötig.
Für technisch Interessierte: Weichen, Decoder und Infrarotbefehle
Car-Weichen mit Servoantrieb
Für die Weichen verwenden wir Servoantriebe von Streetsystem statt Magnetspulen – auch hier, damit kein Dauerstrom fließt. In Kirchhorsten gibt es vier Dreiwegeweichen, drei davon an einer Kreuzung. Die Abzweigwinkel müssen genau stimmen; das geht nur mit Servo und Servodecoder, der per Software eingestellt wird. Die Weichenzunge schwenkt dabei auf etwa 4 cm Länge um rund 8 mm. Bei einem Stromausfall bleibt die zuletzt eingestellte Richtung erhalten.

Alle einfachen Weichen erhalten einen Hallsensor, die Dreiwegeweichen zwei. Hallsensoren schalten wie ein Kontakt durch, sobald ein Magnetfeld in der Nähe ist – hier das Magnetband auf der beweglichen Weichenzunge. Je nach Weichenstellung lösen sie über Infrarot den Befehl „Blinker links“ oder „Blinker rechts“ aus. Die Sensoren sitzen höchstens 1 mm neben der Zunge in der Servohalterung.
Servodecoder
Die Servos hängen an Servo- bzw. Weichendecodern von SD EDV- und Modellbauservice, die wir als günstigen Bausatz aufgebaut haben (8–16 V, Digitalanschluss und RS232-Schnittstelle, acht Servos je Decoder, bei Dreiwegeweichen vier). Damit es keine Überschneidungen mit der Eisenbahn gibt, beginnen die Decoderadressen des Car-Systems bei 401. Geschwindigkeit, Start- und Endposition sowie das Abschalten nach Erreichen der Endlage stellen wir mit dem kostenlosen Programm „Servo_Programmer522“ ein – über einen älteren Laptop mit serieller Schnittstelle, der in einer Schublade unter dem Industriegebiet liegt. Für Bahnschranken gibt es sogar Einstellungen, die ein Nachfedern der Schrankenbäume simulieren.

Funktionsdecoder und Infrarotbefehle
Funktionsdecoder erzeugen die Befehle für die Fahrzeuge und senden sie über Infrarotdioden. Zwei Decoder mit insgesamt 16 Befehlen sitzen in einem eigenen Schrank neben der Lichtsteuerung. Zur Verfügung stehen unter anderem:
- Blinker links / rechts ein, Blinker aus
- Fahrstufe 14 oder 28
- Fahrlicht an / aus
- Stopp
- Halt an einer Bushaltestelle mit Blinker bzw. Warnblinker und mit Zusatzfunktionen
Die winzigen Infrarotdioden lassen sich gut verstecken – in Hecken, als Koffer getarnt an einer Figur, hinter Fahrzeugscheiben oder unter Balkonen. Nach jeder Kreuzung und Abzweigung sorgt eine weitere Diode für „Blinker aus“. Mehrere Befehle können über eine Diode gesendet werden, wenn sie durch Sperrdioden entkoppelt sind.
Die Straßenbahn in Kirchhorsten
Durch Kirchhorsten fährt auch eine kleine Straßenbahn. Sie startet an einer Endstelle in der Nähe des Bahnhofs, hält an einer Haltestelle im Ort, überquert zwei Straßen und verschwindet dann im hinteren Teil von Kirchhorsten aus dem Blickfeld. Dort warten drei Abstellgleise und eine Kehrschleife auf ihre Rückkehr.
Früher wurde die Straßenbahn analog über ein eigenes Stellpult gesteuert. Heute fährt sie digital über dieselbe Zentrale wie das Car-System: Weichen und belegte Gleise sehen wir bequem auf Tablet oder Smartphone. Wo Bahn und Straße sich kreuzen, sorgen eigene Vorrangschaltungen dafür, dass Autos und Busse rechtzeitig anhalten.
Eigene Zentrale und Steuerung per Tablet
Straßenbahn und Car-System haben eine eigene Digitalzentrale, eine Roco Z21 (schwarz). So laufen beide auch dann weiter, wenn die Steuerung der Eisenbahn einmal streikt, und belasten die Hauptanlage nicht. Zur Sicherheit können die Car-Decoder aber jederzeit auch an die Zentrale der Eisenbahn angebunden werden.
Zur Z21 gehört ein Router; mit der kostenlosen App lassen sich Weichen per Smartphone oder Tablet stellen. Als Hintergrund dient eine selbst gezeichnete Karte des Straßennetzes, auf der wir Weichen und Kreuzungen platziert haben. Per Wischbewegung wechselt man zwischen Kirchhorsten und dem Industriegebiet. Auch das Programmieren der Fahrzeuge ist mit dem Tablet deutlich bequemer als mit der Roco-Maus – nur die Symbole sind leider für die Eisenbahn gedacht, sodass wir mit Ersatzsymbolen arbeiten.

Weiter geht es mit den Fahrzeugen des Car-Systems und den Vorrangschaltungen.
